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15 Kernkraftwerk

Kernkraftwerk (Obrigheim)
Geschichte des Kernkraftwerkes
Standort: ? (49.35161,9.08405)
Alutafel?, Geschichtslehrpfad Obrigheim (digitalisiert 2021)


Station 15 - Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) – Rückbau des ersten kommerziell genutzten Druckwasserreaktors in Westdeutschland

Im Jahr 1957 wurde in Baden-Württemberg die Arbeitsgemeinschaft Kernkraft Stuttgart (AKS) ins Leben gerufen. Ziel dieser Arbeitsgemeinschaft war die Planung und der Bau eines Kernkraftwerks in Baden-Württemberg. Von der im Jahr 1960 gegründeten „Kernkraftwerk Baden-Württemberg Planungsgesellschaft mbH“, aus der später die Kernkraftwerk Obrigheim GmbH hervorging, wurden die Pläne der AKS weiter verfolgt und der Standort Obrigheim ausgewählt. Die Bauarbeiten zur Errichtung des Kernkraftwerks Obrigheim – kurz KWO – begannen dann schließlich im März 1965. Bau und Montage der Anlage gingen zügig voran, so dass bereits Ende 1967 erste Systeme in Betrieb genommen werden konnten. Am 22. September 1968 wurde im Reaktor dann erstmalig eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion ausgelöst. Dieser Tag markiert damit den Beginn des nuklearen Betriebs am Standort Obrigheim. Die Einspeisung der ersten Kilowattstunde in das öffentliche Stromnetz erfolgte rund fünf Wochen später – am 29. Oktober 1968. Das KWO galt damals als das größte leichtwassergekühlte Kernkraftwerk in Europa.

Mit Bau und Betrieb des Kraftwerks wurde Pionierarbeit geleistet. In nahezu 37 Betriebsjahren erzeugte das KWO mehr als 90 Milliarden Kilowattstunden Strom und versorgte jährlich etwa 850.000 Haushalte. Aufgrund einer Änderung des Atomgesetzes wurde es schließlich im Mai 2005 abgeschaltet.

Mit dem Ende der Ära der Stromproduktion begann die Ära des Rückbaus. Auch beim Rückbau setzte das KWO Maßstäbe, denn es war das erste Kernkraftwerk in Baden-Württemberg, das stillgelegt wurde und in den Abbau ging. Die dabei gewonnenen Erfahrungen lässt die EnBW auch in den Rückbau der Kernkraftwerke in Philippsburg und Neckarwestheim einfließen.

Für die Gemeinde Obrigheim sowie für die gesamte Region war das KWO ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Rund vier Jahrzehnte hat das KWO die Arbeitsplätze von etwa 1.000 direkt oder indirekt Beschäftigten gesichert. Auch der Rückbau sichert die Arbeitsplätze von mehreren hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der EnBW und bei Partnerfirmen.

Spätestens Mitte der 2020er Jahre soll das Kernkraftwerk soweit zurückgebaut sein, dass es aus dem Geltungsbereich des Atomgesetzes entlassen werden kann und zu einer konventionellen Industrieanlage wird. Damit endet eine besondere Ära – auch für die Region.


info-tafel/obrigheim/15-kkw.txt · Zuletzt geändert: 2021/02/26 17:02 von scheuerbrandt