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Thomas Nörber (Waldstetten)

Thomas Nörber

Erzbischof der Diözese Freiburg von 1898 bis 1920

Ausstellung anlässlich der 110-jährigen Inthronisierung im Rathaus Waldstetten 2008

Durchführung und Text: Monika Frisch


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Kindheit und Ausbildung

Geburtshaus 1898

Thomas Nörber wurde am 19.12.1846 in Waldstetten als erstes Kind des Schneidermeisters Gottfried Nörber und dessen Frau Magdalena, geb. Herold geboren und einen Tag später von Pfarrer Johann Heffner in der Pfarrkirche Waldstetten getauft.
Das Elternhaus ist das heutige Anwesen Rita Wahn.
Als Geschwister folgten Theresia (01.03.1849), Ferdinand (15.04.1851), Alois (01.11.1854 -16.12.1855), M. Philomena (28.01.1857) und Alois (28.03.1861).
Bemerkenswert ist, dass zwei Geschwister den Namen Alois trugen. Der erste Bruder mit diesem Namen verstarb bereits mit 13 Monaten.

Schule

In der heutigen „Alten Kinderschule“ drückte Thomas die Schulbank. Dort wurden ca. 140 Schüler von einem einzigen Lehrer unterrichtet. Der Schüler Thomas Nörber fiel durch seine „herausragende Intelligenz“ auf. Im Jahr 1859, mit dreizehn Jahren, war seine reguläre Schulbildung abgeschlossen. Der Pfarrer Lorenz Berberich nahm ihn nach Absprache mit dem Vater unter seine Fittiche. Zusammen mit seinen Kameraden Alois Heffner und Theodor Herold wurde er mit Privatuntericht auf den Besuch des Gymnasiums vorbereitet.

Mit 15 Jahren setzte er seine Schulbildung in Freiburg fort, er besuchte das Freiburger Lyzeum, das spätere Bertoldgymnasium. Ab Herbst 1861 lebte er im erzbischöflichen Knabenseminar.

Universitätsstudium und Theologisches Konvikt

Das Priesterseminar St. Peter im Schwarzwald

Bereits nach fünf Jahren machte Thomas Abitur und begann sein Studium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Die äußerst ärmlichen Verhältnisse der Eltern hätten eine weitere Ausbildung nicht zugelassen: Der Gemeinderat Waldstetten schrieb am 31.08.1866 an das erzbischöfliche Ordinariat: „Dem Studierenden kann jährlich von den Eltern nichts zugeführt werden“
Im Herbst 1869 trat Thomas ins Priesterseminar St. Peter ein und empfing am 24. Juli 1870 empfing er die Priesterweihe. Thomas Nörber konnte mit seinen beiden Weihekollegen Alois Heffner und Theodor Herold am 31. Juli in Waldstetten eine bis heute einmalige Dreierprimiz feiern.


Vom Vikar zur eigenen Pfarrei

Thomas Nörber als Klosterpfarrer

Mit 23 Jahren begann Thomas Nörber die Laufbahn als Gemeinde-Seelsorger. Am 1.9.1870 trat er seine erste Vikarstelle in Neuhausen bei Pforzheim an, nur zwei Monate später wurde er nach Schwetzingen verstezt.

Mannheim

Am 08.01.1872 betrat er als Kaplan den als äußerst schwierig geltenden Mannheimer Boden. Neun Jahre verbrachte er in der Stadt, in der die liberale Presse verkündet, dass es hier “keinen Boden für Schwarzkutten und deren Anhang“ gäbe. In den neun Mannheimer Jahren kam er an die Grenze seiner physischen und psychischen Belastbarkeit.

Pfarrverweser in Seckach, Hardheim und Lichtental

Im August 1880 wurde er nach langem Bitten nach Seckach versetzt, um sich von der anstrengenden Arbeit in Mannheim zu erholen. Er holte seine alten, verarmten Eltern zu sich, seine 23-jährige Schwester Maria führte ihm den Haushalt.
Im November wird er wurde er aus einem heute unbekannten Grund nach Hardheim versetzt. Dennoch bewarb er sich erneut für die Pfarrstelle in Seckach. Die dortigen Gemeinderäte sprachen sich jedoch für den Nachfolger Nörbers als neuen Pfarrer aus.
In Hardheim musste er „ein großes und steiniges Arbeitsfeld“ übernehmen. Erst ein Jahr vorher war die Pfarrkirche wegen Baufälligkeit abgerissen worden. Im Zehntspeicher, der heutigen Erftalhalle, war eine Notkirche eingerichtet worden. Auch das Pfarrhaus befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Während Nörbers Vorgänger noch zwei Vikare zur Versorgung der fünf Filialkirchen (Rüdental, Steinfurt, Dornberg, Vollmersdorf und Rütschdorf) hatte, musste er die Pfarrei alleine führen. Er kam wiederum an die Grenzen seiner Belastbarkeit.
Nach achtzehn Dienstjahren drängte er nun auf eine eigene Pfarrei, die ihm vor allem eine finanzielle Besserstellung bringen sollte. Seine Arbeit war die eines vollwertigen Pfarrers, ohne dass er dafür entsprechend entlohnt wurde. Das Vikarsgehalt entsprach dem Existenzminimum. Nicht einmal seiner Schwester, die ihm den Haushalt führte, konnte er einen Lohn zahlen.
Das Ordinariat entsprach dem dringenden Gesuch Nörbers nach einer Pfarrei nicht und versetzte ihn mit Beschluss v. 24.09.88 erneut in Funktion eines Pfarrverwesers in Baden-Baden-Lichtental, allerdings mit einer Aufbesserung des Gehalts. Auch hier erwarteten ihn wieder doppelte Arbeit, da er neben der Pfarrei noch die Seelsorge für die Zisterzienserinnen-Abtei Lichtental übernehmen musste.
Sein Gesundheitszustand war so schlecht, dass er sich selbst als „Halbinvaliden“ bezeichnete. Rheumatismus, Asthma und Nervenabspannung plagten den Geistlichen, er fühlt sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Er bat erneut um eine feste Pfarrstelle. An das Erzbischöfliche Ordinariat schrieb der „ewige Kaplan“, wie er sich zwischenzeitlich selbst nannte:
„ … sollte ich nicht mehr zurecht kommen, so möchte ich der Gemeinde, die mich krank ertragen muss, wenigstens noch eine Zeit lang Dienste leisten“

Die eigene Pfarrei

Am 30. Juni 1889 wurde ihm endlich die Pfarrei Tiergarten verliehen, die seit 1883 ohne Seelsorger war. Das Arbeitsaufkommen, gepaart mit dem günstigen Klima trug zu einer entscheidenden gesundheitlichen Besserung bei.

Klosterpfarrer der Frauen vom Hl. Grab Baden-Baden

Klosterkirche zum Hl. Grab.

Nach monatelangem, wiederholtem Gesuch der Klosterfrauen vom Hl. Grab in Baden-Baden wurde Nörber zunächst für fünf Jahre unter Wahrung seiner Rechte auf die Pfarrpfründe Tiergarten Klosterpfarrer. Der Abschied fiel ihm sehr schwer, jedoch freute er sich auf die neue Aufgabe der damit verbunden Direktion der von den Klosterfrauen betriebenen Schule. Als Lehrer für Religion, Geschichte und Physik erweiterte er die Schule nebenbei von einer vierklassigen zu einer zehnklassigen Töchterschule.
Mit der Umstrukturierung der Klosterschule und den damit verbundenen Neubauten sowie der Heranbildung neuer Lehrkräfte sah er nach fünf Jahren seine Tätigkeit im Kloster als beendet. Die Neugestaltung des Klosterinstituts nach den Bedürfnissen der neuen Zeit sollte nach seiner Meinung „in jüngere Hände“ gelegt werden.
Die Priorin drängte dagegen beim Ordinariat auf eine Verlängerung der Absenz von seiner Pfarrei – mit Erfolg und gegen den Willen Nörbers – für weitere zwei Jahre. Sehr zum Leidwesen des dortigen Ortspfarrers. Nörbers Wunsch, das Kloster verlassen zu dürfen, muss mit dem angespannten Verhältnis zum Ortspfarrer der benachbarten Stiftskirche zu tun haben. Nörbers Beliebtheit übertraf sowohl beim einfachen Volk als auch bei der Oberschicht die des Seelsorgers Hubert Winterer bei weitem. Der von sich eingenommene Winterer betrachtete Nörber als Konkurrenz und fand keinen Zugang zu den kleinen Leuten. Unentwegt beschwerte sich Winterer über Nörber beim Ordinariat und unterstellte Nörber die Missachtung seiner Pfarrrechte.
Am 2. August 1898, dem Tag der Freiburger Bischofswahl konstatierte Pfarrer Wintererer am Ende einer Besprechung mit dem Stiftungsrat mit Blick auf die Uhr: „Meine Herren, jetzt haben wir wieder einen Erzbischof – und bei diesem werde ich den Klosterpfarrer verklagen!“
Er wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass der zu verklagende Klosterpfarrer eben der neue Erzbischof sein sollte.


Wahl und Inthronisation

Wappen auf dem Briefkopf

Er wusste nicht einmal, dass er auf der Kandidatenliste steht. Als man ihm die Nachricht über seine Wahl brachte, fasste er dies als schlechten Scherz auf.
Als man ihm das Telegramm überreichte, wonach zwei Domkapitulare unterwegs seien, um die Annahme der Wahl von ihm zu erfragen, entgegnete er totenbleich: „Nein, nein, dass geht nicht, da muss noch mal gewählt werden!“ Nach langem Gebet vor dem Tabernakel lehnte er die Wahl ab. Den Domkapitularen Gutmann und Dreher gegenüber begründete er seine Ablehnung mit seiner angeschlagenen Gesundheit. Die Domkapitulare boten ihre ganze Überredungskunst auf, um ihn schließlich doch noch umzustimmen.
Dreher und Gutmann baten ihn eindringlich um die Annahme, denn der erzbischöfliche Stuhl sei doch schon so lange vakant. Die Katholiken seien durch den plötzlichen Tod des bereits gewählten Erzbischofs Komp enttäuscht genug. Es sei vordringlich, wieder einen Oberhirten zu haben. Die Arbeit würden die Mitarbeiter im Ordinariat schon besorgen.
Mit der Entgegnung, dass er bei Annahme des Bischofsamtes dann auch gedenke, seine Pflichten zu erfüllen und nicht nur seinen Namen hinschreibe ohne zu wissen was drüber steht, nahm er schließlich die Wahl an.

Die Promotion

Nach der in weiten Kreisen als unverständlich empfundenen Wahl keimte in einigen Kreisen der Wunsch, die erwartete „Null“ Pfarrer Nörber ein wenig aufzuwerten. Mit der Verleihung eines Ehrendoktortitels der Theologischen Fakultät am 05. August 1898 wollte man den zu diesem Zeitpunkt schwer unterschätzten designierten Erzbischof „vor Verlegenheiten“ bewahren.

Die Inthronisation

Am 29. September 1898 wurde Dr. Thomas Nörber mit weltlichen und geistlichen Feierlichkeiten als siebter Erzbischof des seit 1827 bestehenden Erzbistums in sein Amt eingeführt. Konsekrator war der Mainzer Erzbischof Paul Haffner.

Bis dahin wurde auf allen Ebenen spekuliert, weshalb die Wahl auf diesen so unbedeutenden Klosterpfarrer gefallen ist. Nicht nur Thomas Nörber konnte sich die Wahl seiner Person zum Erzbischof nicht erklären. Bis heute ist die Frage nach dem Warum unbeantwortet geblieben. Selbst der Badische Großherzog Friedrich, der die Wahl mit seiner Unterschrift erst rechtsgültig machte, vermutete: „ … dass auch das wählende Domkapitel keine bestimmte Antwort“ auf die Frage geben könnte.


Der Erzbischof in seiner Zeit

Das erste offizielle Foto (20.9.1898)

Anfangs befürchtete Nörber, nicht der richtige Mann für dieses Amt zu sein. Aus der Überzeugung heraus, dass er durch göttlichen Willen auf den Hirten-stuhl gekommen ist, stellte er vom ersten Tag an seine Führungs-qualitäten unter Beweis. Sein bereits als Kaplan gezeigtes Organisations-talent und Durchsetzungsvermögen straften die Lügen, die in ihm einen „Grüßaugust und Unterschreiber“ er-wartet hatten.

In seinem ersten Hirtenbrief schrieb er: „ …Aber, so frage ich mich selbst, solltest du, der du so gering und unwürdig bist, das von Gott hiezu ausgewählte Werkzeug sein, während doch so viele andere durch Wissenschaft und Tugend dich übertreffende Priester zuerst berufen scheinen? Doch gerade dieses, Geliebteste!, so sehr es mich demütigt, tröstet mich auch wieder und lässt mich hoffen, dass Gottes Wille mich an diese Stelle berufen hat. Ich wurde ja gewählt ohne all mein Zutun, gegen meine Erwartung und Wünsche, und zwar von jenen, in deren Hand Gott die rechtmäßige Wahl gelegt hat. Und wir wissen alle, dass Gott so gerne das Niedrige und Geringe benützt, um Großes zu vollbringen…“ Zwei Jahre ohne Oberhirten lagen hinter der Oberrheinischen Kirchenprovinz. Viele Probleme und Entscheidungen wurden in dieser Zeit aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Ebenso viele neue Aufgaben der Kirche zeichneten sich ab. Der neue Bischof stellte sich den Aufgaben, den Regenten, den Amtskollegen, den Wider-sachern – und ging die anstehenden Angelegenheiten zielstrebig an.

Neubau des Erzbischöflichen Ordinariatsgebäudes

Das unter Thomas Nörber errichtete Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg

Bei Amtsantritt fand Nörber die Verwaltung der Diözese in viel zu kleinen, den Bedürfnissen nicht entsprechenden Räumlichkeiten vor. Schon seine Vorgänger waren sich des Problems bewusst und suchten nach Lösungen. Ein Neubau war aus finanziellen Gründen nicht möglich. Mit dem Ende des Kulturkampfes und der Einführung der Kirchensteuer im Jahr 1900 waren die Grundlagen für den Bau eines repräsentativen, den Anforderungen entsprechenden Dienstgebäudes gegeben. In den Jahren 1903 – 1906 wurde der bis heute genutzte Bau nach Plänen des Architekten Raimund Jeblinger errichtet.

Kulturkampf

Das 19. Jahrhundert war kirchenpolitisch von der säkularen Auseinandersetzung mit dem weltanschaulich geprägten Liberalismus gekennzeichnet. Vor allem in Baden gewann dieser Konflikt eine besondere Qualität. Er war länger und härter als in anderswo in Deutschland. In den 1850-er Jahren begann die liberal ausgerichtete Regierung des Großherzogtums, die Kirche und ihre Institutionen sukzessive in ihren Funktionen zu hemmen. Als Reaktion auf das Unfehlbarkeitsdogma wurden erst in Berlin, dann im Badischen Landtag eine Reihe explizit antikatholischer Gesetze erlassen:

  • Geistlichen Männerorden wurden im ganzen Land verboten
  • Das Theologische Konvikt in Freiburg wurde geschlossen.
  • Neupriester, die kein Kulturexamen ablegten, wurden sanktioniert und mit Geld- oder Gefängnisstrafen belegt.
  • Simultanschulen, unter weltlicher Leitung, ersetzten die kirchlichen Lehranstalten
  • Der Bischof und die Kleriker beider Konfessionen sollten zu einem Gehorsamseid gegenüber der weltlichen Macht gezwungen werden

Bewußt wurde von liberalen Gruppen der interkonfessionelle Zwist geschürt, was tiefe Wunden riss, die lange nicht verheilten. Bei den Katholiken führten die Maßnahmen in der breiten Masse zu bedingungsloser Solidarität mit der Amtskirche. Die Zentrumspartei entwickelte sich zum politischen Arm der Katholiken und wurde lange Zeit von Klerikern geführt. Erst ab 1880 lockerte die Regierung nach und nach einzelne Gesetze. Auch wenn die Kirche einige wichtige Positionen verloren hatte, sah sie sich als Sieger nach einem Defensivkrieg. Das „Kriegstrauma“ wirkte jedoch noch über Generationen nach.

Wiederzulassung von Männerklöstern unter Erzbischof Nörber

Das Verbot von Männerklöstern war für Bischof Nörber ein brennendes Problem. Jährlich gab es eine massive Abwanderung von jungen Männern, die in ihrer Heimat keine Möglichkeit fanden, in einen Orden einzutreten. Das Fehlen der Orden machte sich auch bei der Ausbildung von Missionaren und Missionspredigern schmerzhaft bemerkbar. Der Großherzog stellte sich jedoch mit der Mehrheit des Landtages strikt gegen eine Wiederzulassung. Nörber beantragte bereits bei seinen ersten Zusammenkünften mit dem Großherzog die Wiederzulassung von Männerklöstern. Die Regierung machte Zugeständnisse jedoch stets von Kooperationsbereitschaft auf politischem Gebiet abhängig. So sollte Nörber z. B. den Zentrumsführer Pfarrer Wacker, „Löwe von Zähringen“ genannt, in die Schranken weisen und ansonsten mit ganzer Autorität gefährlichen Agitationen entgegenwirken. Da Nörber aber seinen Überzeugungen folgte, fand die Regierung stets neue Ausflüchte, um die Orden zu verhindern und letztendlich zwangen auch innenpolitische Faktoren die Regierung, den Anträgen der Katholiken nicht stattzugeben.

Mit Beginn des 1. Weltkrieges änderte sich die Situation grundlegend. Die Nationalliberale Fraktion, die jahrzehntelang erbittert gegen die katholische Kirche agiert hatte, stellte sich nun in der Klosterfrage hinter den Bischof, da die positive seelsorgerische Arbeit des Klerus in Kriegstagen nicht verborgen blieb.

Am 4. Juli 1918 unterzeichnete der Großherzog schließlich das neue Kirchengesetz, worauf am 18. Dezember bereits eine Franziskaner-gemeinschaft in Freiburg ihre Arbeit aufnahm.

Neuordnung der deutschen Caritas

Im Jahr 1897 gründete der Pfarrer Lorenz Werthmann in Köln den „Charitasverband für das katholische Deutschland“.
Werthmann war mit Nörbers Vorgänger, Erzbischof Roos, nach Freiburg gekommen. Dort begann er als dessen Sekretär und Hofkaplan mit dem Aufbau des Freiburger Caritas-Komitees, um die Werke der Nächstenliebe zu organisieren. In der Zeit des vakanten Erzbischofsstuhls nach dem Tod von Erzbischof Roos konnte er seine Arbeit an seinem „Herzenswerk“ nur unter entsprechenden Erschwernissen weiterführen. Seine Zukunft in Freiburg machte er daher vom Verhältnis zum neuen Oberhirten abhängig. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt bekundete Erzbischof Nörber sein großes Interesse an Werthmanns Arbeit und förderte die Caritas tatkräftig, u. a. auch als lebenslanges Mitglied.

Im Jahr 1900 ernennt er Werthmann zum Commisarius für charitative Angelegenheiten. Dieser Entschluss ist für den Aufbau des Caritasverbandes von historischer Bedeutung, da Werthmann nach einigen entmutigenden Versuchen neuen Rückenwind für die Gründung eines Diözesanverbandes erhielt, der nach intensiver Arbeit von Werthmann am 16. November 1903 konstituiert wurde.

Durch die gezielte Unterstützung Nörbers folgte die Anerkennung der Caritas durch die deutsche Bischofskonferenz.
Seither ist Freiburg Sitz des Deutschen Caritasverbandes. Werthmann selbst hob stets die ihm von Nörber zuteil gewordene Unterstützung seiner Arbeit hervor. Nach dem Tod Nörbers schreibt er: „Er hat mir stets viel Wohlwollen erwiesen, ich verdanke ihm sehr viel!“

Erzbischöfliches Missionsinstitut

Am 25. März 1911 gründete Thomas Nörber das Erzbischöfliche Missionsinstitut. Ziel und Zweck der Gründung war zunächst die Abhaltung von sog. „Gemeindemissionen“, die den Christen Leitung und Halt in den Wirren der Zeit geben sollten. Weiter sollten Laienexertitien und Triduen sowie vorübergehende Aushilfe in besonderen Notfällen zu den Aufgabengebieten gehören. Alles in allem sollte die religiöse Stärkung der Familien und Jugenderziehung im Fokus der Arbeit stehen.
Die Priester, die für dieses Projekt ausgebildet und ausgesandt wurden, mussten besondere Qualifikationen und Charaktereigenschaften vorweisen. Der von Nörber mit dem Aufbau des Institutes betraute Dr. Konstantin Rapp formulierte die Anforderungen an einen Institutspriester wie folgt:
„Er muss ein Mann sein von übernatürlicher Gesinnung und Wandel, der seine Kirche liebt und die Zeitlage kennt. Daraus ergibt sich, dass jüngere Kandidaten nicht in Frage kommen. Eine höhere wissenschaftliche Ausbildung ist wünschenswert. Er muss die religiösen Übungen, die von einem Priester gefordert werden, einhalten. Dazu gehört tägliche Betrachtung, Gewissenserforschung, geistliche Lesung, Anbetung, achttägige Beichte und jährliche Exertitien.“
Das Missionsinstitut fand reges Interesse bei Nörbers Amtskollegen, da der Erfolg spürbar war. Bis zum Jahr 1905 gab es im Großherzogtum Baden jährlich etwa 30 Gemeindemissionen. Infolge der politischen Verhältnisse nahm die Zahl in den Folgejahren sogar um 100 % zu.
Zwei Tage vor seinem Tod bezeichnete Nörber das Institut als sein „Lieblingskind“, was er dadurch unterstrich, dass er alle Geldbeträge, die er zum 50. Priesterjubiläum erhielt, an das Missionsinstitut spendete.

Der erste Weltkrieg – Schwere Tage

Besuch im Militätlazarett Ettlingen 1916

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges am 1. August 1914 brachte erneut eine schwere Amtslast mit sich. In einem außerordentlichen Hirtenwort am 4. August nahm Nörber ohne jegliche nationale Kriegseuphorie Stellung zu den Ereignissen. Dennoch bezeichnete er, wie seine Amtskollegen, den Krieg als eine gerechte Sache, da die Verteidigung des Vaterlandes herausgefordert worden sei.
Gegenüber dem Klerus bezeichnete er den Krieg als eine Heimsuchung Gottes und fordert von den Priestern verstärkte Anstrengungen auch auf dem Gebiet des leiblichen Wohlergehens der Christen. Seine Bemühungen, die Bevölkerung zum Durchhalten zu ermuntern, wurden von den Regierungen mit großer Anerkennung registriert. Auch sein Einsatz für gute Behandlung von Kriegsgefangenen in der Erzdiözese und seine Bemühungen um die Entlassung derselben ist aktenkundig.
Am Ende des Krieges forderte er die Bevölkerung auf, am Wiederaufbau mitzuarbeiten und trotz der Notzeiten fremdes Eigentum sowie Leben und Gesundheit der Mitmenschen zu achten.

Das Konradsblatt – Mitteilungsblatt für die Diözese

Schön früh gab es Überlegungen, ein eigenes Mitteilungsblatt für die Diözese herauszugeben. Im Dezember 1916 erschien zum ersten Mal das „Konradsblatt – Familienblatt der Erzdiözese Freiburg“, das bis heute eine breite Leserschaft erreicht.

Das Ende des Krieges – Das Ende der Monarchie

Die noch schwerere Nachkriegszeit war geprägt von noch nie dagewesenen politischen Verhältnissen. Die Republik löste die Monarchie ab, die Kirche erhielt durch die neue Verfassung völlige Freiheit. Dennoch war dies keine einfache Zeit, da zu diesem Zeitpunkt die politische Weiterentwicklung nicht absehbar war.

Als am 09. November 1918 Scheidemann in Berlin die Republik ausruft, formieren sich gleichzeitig überall Arbeiter und Sodatenräte. Es hing das Gespenst der Kommunistischen Revolution nach russischem Vorbild über dem Reich. In einem Hirtenbrief rief er die heimkehrenden Soldaten auf, auch jetzt Stützen der Ordnung zu sein und das von ihnen geschützte Vaterland wieder mit aufzubauen. Ansonsten für seine offenen Stellungnahmen bekannt, hütete er sich in dieser Situation davor, irgendwelche Urteile abzugeben. ermutigt aber die Katholiken zur politischen Mitarbeit.

Als auch der Badische Großherzog Friedrich II am 22. November 1918 abdankte, brachte Nörber sein Bedauern darüber zum Ausdruck. Dennoch sah er in der parlamentarischen Republik eine große Chance und bekannte sich offen zu ihr.


Ein erfülltes Leben

Das Goldene Priesterjubiläum

Spätes Portrait

Am 24. Juli 1920 feierte seine Exzellenz Erzbischof Dr. Thomas Nörber sein goldenes Priesterjubiläum bei schwerster Krankheit.

Immer wieder in den zurück-liegenden 50 Jahren hatte ihm die Flut von Arbeit und man-gelnde Erholungszeit die Gesundheit beeinträchtigt. Ende 1919 werden seine Beschwer-den so stark, dass er zu-nehmend Aufgaben weiter delegieren musste. Im Sommer 1920 sah sich das Erzbi-schöfliche Ordinariat veranlasst, den Erzbischof als schwer krank dem Gebet der Katholiken zu empfehlen, dass „ der Oberhirte, der mehr als zwei Jahrzehnte für die Diözese treu gesorgt habe, wieder genese.“
Den nahen Tod fühlend hatte Nörber noch eigens einen Hirtenbrief geschrieben, in dem er sich von seinen Diözesanen verabschiedet.

Am Festtag selbst nahm er an einer von seinem Kurskollegen Jonas Dieterle zelebrierten Messe teil und empfing anschließend eine große Zahl von Gratulanten. Unter Bündelung all seiner Kräfte hielt er nochmals eine längere Ansprache. Er ließ sich sichtlich bewegt die vielen Glückwunschschreiben vorlesen. Es schien, als bessere sich sein Gesundheitszustand doch noch.

Der Tod

Der Trauerzug vor dem Freiburger Münster
Der Trauerzug vor dem Freiburger Münster

Zwei Tage später, am 27.7.1920, konnte Nörber zum ersten Mal seit Wochen wieder die Messe seines Hofkaplans in der Hauskapelle mitfeiern. Er fühlte sich frisch, wie seit langen nicht mehr. Dennoch diktierte er, wenige Stunden vor seinem Tod, ein Dankesschreiben.

„Zum 50. Gedenktage meiner heiligen Priesterweihe sind mir in überaus großer Zahl Segens-wünsche und Zeichen teilnahms-voller Gesinnung an meiner Erkrankung gewidmet worden. Da ich außerstande bin eigenhändig zu danken, empfehle ich alle, die mir gütigst gedacht haben, der schützenden Hand des Allmächtigen, und bete zu Gott dem Herrn, dem Vergelter alles Guten.“

Gegen 16.00 Uhr setzte der Todeskampf ein. Um 18.10 Uhr starb Nörber im Kreis seines Domkapitels und seiner engsten Mitarbeiter, wie der Freiburger Theologieprofessor Engelbert Krebs in seinem Tagebuch festhielt: „Einen schöneren Tod kann ein Erzbischof kaum finden, als so, wie Dr. Thomas Nörber 2 Tage nach Verlesung des Abschiedshirtenbriefes in der Liebe der Seinen dahinzuscheiden.“

Beigesetzt wurde Nörber, seinem letzten Willen gemäß, vor dem Sakramentsaltar im rechten Seitenschiff des Freiburger Münsters.

sonderausstellungen/2008/thomas-noerber/thomas-noerber.txt · Zuletzt geändert: 2020/05/20 17:05 von scheuerbrandt