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Kalkbrennerei im Neckar-Odenwald-Kreis

Kalkbrennerei im Neckar-Odenwald-Kreis (Obrigheim-Mörtelstein)
Beschreibung der Kalkgewinnung
Standort: Kalkofen Mörtelstein (49.3522,009.0455)
Alutafel (digitalisiert 2020)


Kalkofen I: Kalkbrennerei im Neckar-Odenwald-Kreis

Schliffbild eines römischen Gussmauerwerks mit Ziegelsplitt und Kalkmörtel.

Durch die Römer kam die Steinbauweise in unser Gebiet. Zumeist handelte es sich um aus natürlichen Werksteinen und Kalkmörtel aufgemauerten Gebäuden. Für die Herstellung des Kalkmörtels brachten die Römer auch die dafür notwendige Technik des Kalkbrennens ins damalige Germanien. Kalkmörtel wird durch Mischen von gelöschtem Branntkalk mit Sand im Verhältnis 1:3 hergestellt. Überall, wo Kalkstein vorkommt, finden sich seither Spuren der Kalkbrennerei. Im Mittelalter wurde der Kalkmörtel u.a. für den Bau der Burgen im Neckartal gebraucht. In Flurnamen finden wir noch heute zahlreiche Hinweise darauf: Öfele, Kalkofen usw.

Im Neckar-Odenwald-Kreis sind beim Kirstetter Hof bei Obrigheim, in Asbach, beim Knopfhof bei Mosbach, in Neckarburken, Dallau, Oberschefflenz, Unterschefflenz und Hardheim Kalköfen mit vielfältigen Bauformen erhalten geblieben. Diese Kalköfen sind technische Kulturdenkmale aus der Zeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts und geben Zeugnis von einem heute ausgestorbenen Berufszweig, dem Kalkbrenner und dessen harter Arbeit. Deshalb hat der Heimatverein Obrigheim den Mörtelsteiner Kalkofen im Jahr 2013 mit finanzieller Unterstützung des Naturparks „Neckartal-Odenwald„ aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds, mit Spenden zahlreicher Privatpersonen und Firmen, aber auch mit erheblichen Eigenleistungen der Mitglieder restauriert.

Unterschefflenz
Dallau
Neckarburken


Mosbach-Kopfhof
Hardheim
Oberschefflenz
Roigheim

Kalksteinbrüche

Handverladung von Kalkstein auf der Schwäbischen Alb, 1930.

Für das 19. Jahrhundert sind für das Gewann „Hochbäumel“ auf der Gemarkung Mörtelstein mehrere Kalksteinbrüche nachweisbar. Um das Jahr 1880 begann dort Adam Rabe mit dem Abbau von Kalkstein. Seit 1904 betrieb 0tto Schweickert einen weiteren Steinbruch. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen die Steinbrüche von Karl Riedinger und Gustav Strein hinzu. Die Steinbrüche waren zwischen 5 und 19 a groß und wurde Handarbeit mit Wandhöhen zwischen 3 und 8 m im Nebenerwerb abgebaut. Der Kalkschotter wurde für den Straßen- und Wegebau und die Bruchsteine als Baumaterial verwendet.


Universalprodukt Kalk

Gleichstrom-Gegenstrom-Regenerativ-Doppelschachtofen neuester Bauart mit einer Produktionskapazität von 200.000 t Branntkalk pro Jahr.
Moderner Kalksteinabbau mit Radlader.

Der Name »Kalk« leitet sich vom lateinischen „calx„ ab. Seit Jahrtausenden macht sich der Mensch dieses Naturprodukt zu Nutze. Es gibt kaum ein industriell hergestelltes Produkt, das bei seiner Herstellung nicht in irgendeiner Form Kalk benötigt. Schaut man genauer hin, findet man Kalk in nahezu allen Dingen des alltäglichen Lebens. Das hat den einfachen Grund, dass Kalk bei der Herstellung von grundlegenden Materialien, wie Kunststoff, Papier und Glas, unersetzlich ist. Die chemische Industrie nutzt ihn als Reaktionsmittel zum Färben, Veredeln, Gerben, Verfüllen, Neutralisieren und Reinigen. Allein die deutsche Zuckerindustrie verarbeitet fast eine halbe Million Tonnen Kalk im Jahr, für die Sodaproduktion wird sogar das Doppelte der Menge benötigt, um Wasch- und Nahrungsmittel herzustellen. Kalk ist Rohstoff, Nährstoff und Wirkstoff zugleich - ein Multitalent. Die Eisen- und Stahlindustrie ist einer der größten Kalkabnehmer. Zur Gewinnung von Roheisen aus Eisenerz und zur Veredelung zu qualitativ hochwertigem Stahl werden große Mengen von Kalkprodukten benötigt. Je Tonne Stahl sind es je nach Sorte mehrere hundert Kilogramm. Gebrannter Kalk ist ein vielseitiger Stoff. Als Baustoff finden wir ihn als Mörtel, früher wurde er auch zum Tünchen von Wänden und Desinfizieren von Ställen verwendet. In der Landwirtschaft wird er zum Düngen und zur Verhinderung von Wildfraß bei Obstbäumen eingesetzt. Im Umweltschutz wird Kalk in Kläranlagen und für die Reinigung von Industrieabgasen gebraucht.

Im Endprodukt ist Kalk dagegen nur in wenigen Fällen vorhanden. Dort wird er als Trägersubstanz, weißes Pigment, Füllstoff oder als Schleifkörper eingesetzt. So zum Beispiel in Zahncreme, verschiedenen Kosmetika oder Kunststoffen. Kalk ist preiswert, ökologisch absolut unbedenklich und in der Natur in großen Mengen vorhanden. Allein in Deutschland arbeiten heute ca. 5.000 Menschen in der Kalkindustrie. Pro Kopf benötigen wir jährlich 250 kg Kalk.

info-tafel/obrigheim/kalkofen1.txt · Zuletzt geändert: 2020/05/20 15:56 von scheuerbrandt