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18b Neckarschifffahrt II

Neckarschifffahrt II (Haßmersheim)
Beschreibung der Schifffahrt auf dem Neckar
Standort: Hafen (49.30151,009.15209)
Alutafel, Museumsstraße Odenwälder Bauernhaus Nr. 18 (digitalisiert 2019)


Neckarschifffahrt II

Das Aufkommen der Eisenbahnen ab Mitte des 19. Jahrhunderts brachte die Neckarschifffahrt an den Rand des Ruins. Erst die 1878 eingeführte neue, dampfbetriebene Kettenschleppschifffahrt rettete sie vor dem Untergang. Statt der Pferde zog nun ein Kettendampfer an einer von Mannheim bis Heilbronn im Fluss verlegten 115 km langen Kette. Ungeachtet von Strömung und Wasserstand konnten nun bis zu 9 beladene Schiffe mit einer Geschwindigkeit von 5 km je Stunde in knapp 3 Tagen nach Heilbronn gelangen. Insgesamt waren 7 solcher Kettenboote im Einsatz. Gegenüber dem Treidelverkehr wuchs der Gütertransport um das fast Vierfache. 1883 wurden 7637 Schiffe mit 156.000 Tonnen Ladung zu Berg geschleppt. Neckarabwärts fuhren die Schiffe nach wie vor mit der Strömung. Die Kettenboote fuhren „enkel“, das heißt ohne Anhang zu Tal.

Als 1935 der Neckar von Mannheim bis Heilbronn als Großschifffahrtsweg ausgebaut war, musste die Kettenschleppschifffahrt eingestellt werden. Nun wurden die Schiffe von Dampfschraubenbooten und Motorschleppern gezogen. Nach dem Krieg schließlich bewegten sich die mit starken Dieselmotoren ausgerüsteten Frachtschiffe mehr und mehr als Selbstfahrer (1960: 80 %, 1980: 98 %) mit eigener Kraft fort.

Die modernste Betriebsart, der Schubverband, lässt sich auf dem kanalisierten Neckar nur schlecht verwirklichen. Dominierender Schiffstyp auf dem Neckar ist das Motorgüter- und Motortankschiff mit einer Tragfähigkeit bis 2800 Tonnen, dem über zehnfachen der letzten Neckarschiffe. Über 10 Millionen Tonnen Güter werden nun jährlich zu Berg und zu Tal befördert.

Haßmersheimer Partikuliere (Schiffseigner)

In den Anfängen der Neckarschifffahrt fuhren die Schiffsleute im Dienst der Territorialherren des Neckartals. Die später dann selbständigen Schiffseigner waren der Oberhoheit der Heidelberger Kurfürsten unterstellt. Weil Haßmersheim der letzte kurpfälzische Ort am Neckar war, wurde dieser Ort zum Hauptwohnsitz der Neckarschiffer. Diese ersten Partikuliere schlossen sich im Übrigen bald zu einer Neckarbruderschaft zusammen.

1857 stammten 149 der insgesamt 372 Neckarschiffe von den damals 80 „Particuliers“ aus Haßmersheim. 1840 fuhr ein Neckarschiffer aus Haßmersheim, Ludwig Heuss, der Urgroßvater des ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, mit seinem Neckarkahn erstmals zu den Überseehäfen Hollands. Bis in unsere Tage spielen Haßmersheimer Partikuliere in der deutschen Binnenschifffahrt eine wichtige Rolle. Ihr Können und ihre Transportbeziehungen machten sie bekannt. Gerade die Kettenschifffahrt ab 1878 erhielt ihre besondere Bedeutung dadurch, dass sie zumeist mit Haßmersheimer Kapitänen und Steuerleuten besetzt waren.

Heute ist die deutsche Binnenflotte nur noch zu 35 % im Besitz von Patrikulieren. In Haßmersheim ging ihre Zahl seit 1962 von 120 bis 1986 auf 25 zurück und ist weiter rückläufig.

info-tafel/hassmersheim/neckarschifffahrt2.txt · Zuletzt geändert: 2020/05/20 00:31 von scheuerbrandt