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18a Neckarschifffahrt I

Neckarschifffahrt I (Haßmersheim)
Beschreibung der Schifffahrt auf dem Neckar
Standort: Hafen (49.30151,009.15209)
Alutafel, Museumsstraße Odenwälder Bauernhaus Nr. 18 (digitalisiert 2019)


Neckarschifffahrt I

Seit mindestens 2000 Jahren wird auf dem Neckar, „dem wildesten deutschen Russ“, Schifffahrt betrieben. Er war ein wichtiger, natürlicher Verkehrsweg. Eine durchgehende Uferstraße wurde erst vor etwas mehr als 100 Jahren gebaut.

Schon die Römer versorgten ihre am Neckar gelegenen Kastelle auf dem Wasserweg. Im frühen Mittelalter brachten friesische Schiffe über den Rhein Waren neckaraufwärts. Bereits 1142 wird für Heilbronn ein „portus“ genannt. Er ist bis heute der bedeutendste Neckarhaten und Umschlagplatz.

Vielfach änderte sich die Betriebsweise der Neckarschifffahrt. Ursprünglich waren kleine Flöße die Transportfahrzeuge. Hauptsächlich für Holz und Steine. Auch Menschen wurden damit befördert, allerdings nur zu Tal.

Erst mit dem Aufkommen von Schiffen begann der Bergverkehr. Vor allem mit Korn, Wein und Salz beladen, wurden diese von Menschen flussaufwärts gezogen - „getreidelt“. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts, als Schiffe und Ladung größer wurden, dienten Pferde zum Treideln .„Halfreiter“ trieben die Pferde in oft roher, tierquälerischer Weise auf dem Treidel- oder Leinpfad dem Ufer entlang an.

Mehrmals wechselte der Leinpfad die Uferseiten. Dann mussten Pferd und Reiter den Fluss durchqueren, ungeachtet der Wassertiefe und der Wassertemperatur. Sechs bis acht Tage dauerte eine solche Reise von Mannheim bis Heilbronn. Talwärts fuhren die Schiffe „auf sich“ - Sie trieben mit der Strömung.

Über Jahrhunderte gab es zwei Arten von Schiffen auf dem Neckar: Das große Neckarschiff mit bis 850 Zentner (42,5 Tonnen) Ladefähigkeit, das bis Bingen und zur Frankfurter Messe fuhr und den „Hümpelnachen“ mit bis 160 Zentner (8 Tonnen) der nur auf dem Neckar fahren durfte.

Nach den Napoleanischen Kriegen, als fast alle Neckarschifte verloren gegangen waren, kam seit etwa 1825 vom Niederrhein eine neue Schiffsart auf den Neckar, die „Neckaraak„. Es hatte ein großes Heckruder und entwickelte sich bald zu dem Neckarschiff, das auf deutschen Flüssen als das schönste und beste Binnenschiff galt. Mit einer Tragfähigkeit von 180 Tonnen war es bis zum Eisenschiffbau nach 1900 im Gebrauch.

Der herzoglich württembergische Baumeister Heinrich Schickhardt zeichnete 1598 die früher gebauten Schiffstypen auf dem Neckar. Den Hümpelnachen und das „große“ Neckarschiff. Die Schiffe aus Eichenholz hatten einen flachen Boden, ein Seiten- bzw. Streichruder, einen über neun Meter hohen Mast zum Befestigen der Treidelleine und eine in den Schiffsraum gestellte Schlafkajüte. Sie waren ohne Verdeck.


info-tafel/hassmersheim/neckarschifffahrt1.txt · Zuletzt geändert: 2020/05/20 00:35 von scheuerbrandt